Kriminetz – Fettes Kaliber …

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Selten habe ich in letzter Zeit solch ein – man verzeihe mir meine Wortwahl – geiles Buch gelesen. Ken Bruens „Kaliber“ ist der Burner, Hit, Knaller und noch vieles mehr.

Der Manieren-Killer wütet in London und radiert diejenigen aus, die keine Manieren besitzen. In einer stressigen Metropole wie London kann es dabei beinahe jeden treffen. Der korrupte und ultracoole Inspector Brant übernimmt die Ermittlungen und heftet sich an die Fersen des eiskalten Mörders, der eigentlich nur nach Ruhm strebt. Zugleich möchte Brant Schriftsteller werden und arbeitet an seinem Erstling, wobei seine Schreib-Methoden nicht immer ganz lauter sind. Die Kollegen von Brant haben ihr eigenes Päckchen zu tragen. Wie die schwarze Polizistin Falls und der übereifrige McDonalds. Beide sind auf der Abschussliste, da sie sich durch dienstliche Verfehlungen, bei denen sie auch noch erwischt wurden, ins Aus manövriert haben. Während MCDonald mit viel Wut im Bauch und einer gehörigen Portion Koks im Blut die Justiz in eigene Hände nimmt und sich an einem Kinderschänder sowie einem durchgeknallten Dealer rächt, findet Falls die Liebe ihres Lebens – oder ist ihr Traummann einfach zu traumhaft, da sie eigentlich auf die bösen Jungs steht? Und der Manieren-Killer macht sich aus dem Staub, da Brant zu sehr mit liebeshungrigen Literatur-Agentinnen beschäftigt ist und der Frage, wer sein Manuskript für ihn fertig stellen könne … Vielleicht sein eloquenter, schwuler Kollege Porter, der nach einer mit Speed gewürzten Tasse Kaffee Kapitel für Kapitel aus dem Boden stampft?

Der Polar Verlag hat mit „Kaliber“ einen Noir-Krimi vom Feinsten vorgelegt. Der irische Autor Bruen zieht alle Register. Er spielt mit dem Genre, weist allerlei intertextuelle Referenzen auf und bereitet durch unglaubliche Wortspiele, Stilbrüche und einen lakonischen Zynismus ein großes Lesevergnügen. Unbedingt zur Lektüre empfohlen – nicht nur für Genre-Fans!

http://www.kriminetz.de/krimis/kaliber#comment-1081

Rezension von Stefan Schweizer

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