Kriminetz – „Dunkler geht es kaum …“

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Dunkler geht es kaum …

Der Roman Noir reüssiert. Das Feuilleton überschlägt sich. Und neue Verlage widmen sich dieser neu entdeckten Gattung. Wie der Polar Verlag aus Hamburg. Der jetzt zum ersten Mal auf Deutsch veröffentlichte Roman »Dead Money« von Ray Banks ist so düster, wie ein Kriminalroman überhaupt nur sein kann. Ein Happy-End ist Lichtjahre entfernt.

Alan Slater und Les Beale sind best Buddys in Manchester. Alan, der zugleich als Ich-Erzähler fungiert, verbringt lieber die Zeit mit seinem besten Freund als zu Hause bei seiner Frau Cath. Die Hobbies: Saufen und Zocken. Nebenher hat Alan natürlich noch eine Beziehung mit einer Studentin laufen. Während Alan ein gefühlskaltes, emotionsloses Wesen ist, neigt Les zu unkontrollierten Wutausbrüchen, was nicht selten in wüsten Prügeleien endet. Die Pechsträhne beginnt damit, dass Alan einen Hund überfährt – natürlich in besoffenem Zustand. Kurz darauf eskaliert eine Pokerparty in Les‘ Haus. Da Les glaubt aufgrund eines gezinkten Spiels Unsummen zu verlieren, schlägt er einen der Beteiligten tot. Als Alan Les beim Entsorgen von Stevies Leiche hilft, stellen die Freunde fest, dass dieser noch lebt. Aber Alan macht kurzen Prozess und versenkt den Körper im Kanal, wodurch er nicht nur mitschuldig ist, sondern zum Haupttäter wird. Als nun der zwielichtige pakistanische Geschäftsmann die Schulden der besagten Pokerparty eintreiben möchte, geraten die Ereignisse vollends außer Kontrolle und reißen Alan und seinen Freund in einen Abwärtssog, aus dem es kein Entrinnen mehr geben kann.

Ray Banks Debüt-Roman »Dead Money« ist fulminant und meines Erachtens den viel bekannteren Werken eines Ian Rankin weit überlegen, was die literarische Qualität sowie die inhaltliche Komplexität betrifft. »Dead Money« thematisiert moralisch-ethische Fragekomplexe, die sich auf den Aspekt der Schuld fokussieren. Menschlich Abgründiges und gesellschaftlich Verwerfliches werden schonungslos brutal geschildert. Banks‘ Sprache ist besonders artifiziell. Insbesondere die Dialoge wirken auf den ersten Blick wie natürliche Umgangs- und Gossensprache. Auf den zweiten Blick wird deutlich, wie sehr Banks an jedem Dialog gefeilt haben muss, bis dieses Maß an literarischer Qualität dabei herauskommen musste. Dead Money ist nicht nur für Fans des Noir-Krimis ein Muss. Unbedingt lesen!!!

Rezension von Stefan Schweizer

http://www.kriminetz.de/krimis/dead-money#comment-876

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