Heilbronner Stimme – „Minenfeld“

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Bildschirmfoto-2014-10-22-um-13.33.01-104x300Sergeant Tidey stapft mürrisch durch die trübe Melancholie, die die geplatzte Immobilienblase in Dublin hinterlassen hat, und bosselt am Fall eines ermordeten Bankers herum. Vincent Naylor, gerade aus dem Knast entlassen, dreht am anderen Ende der Stadt ein großes Ding, nimmt einen Geldtransporter aus, sehr clever, ganz professionell. Als am Ende sein Bruder erschossen wird, macht er sich auf einen Rachefeldzug. Viel Schuld auf sich geladen hat eine ehemalige Nonne, und auch jetzt nimmt sie entscheidenden Einfluss. Wir ahnen schnell, dass sich die Wege aller irgendwann kreuzen werden.

Im Herzen von Gene Kerrigans fulminantem Krimi "Die Wut" pocht das Entsetzen über die beiden Katastrophen der jüngsten Geschichte Irlands, den Zusammenbruch des Wirtschaftsbooms und das Ausmaß von Kindesmissbrauch in den Institutionen der katholischen Kirche – und makellos verknüpft Kerrigan die Erzählstränge und das emotionale Minenfeld. Niemand macht sich hier mehr Illusionen, wurden doch alle irgendwie über den Tisch gezogen. Keine grünen Wiesen hier, keine Schäfchen, sogar kaum Guinness – dafür aber viel Wut in diesem funkelnden Meisterstück des harten Kriminalromans.

 


Von Günther G. Feld

Aus der Heilbronner Stimme, 18. 10. 2014, Seite 8.

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