Die Presse – Amerika der Außenseiter

Der Polar-Verlag macht den vergessenen Klassiker »Cutter und Bone« erstmals in voller Länge lesbar und zeigt, dass gute Kriminalliteratur in keine Schublade passen muss.

Spätestens mit „Cutter und Bone“ etabliert sich der noch junge Polar-Verlag als nicht wegzudenkender Mitspieler in der Verlagslandschaft, wenn es um ernst zu nehmende Kriminalliteratur abseits des Mainstreams geht. Wie auch beim Kleinstverlag Pulp Master erscheinen hier Crime- Fiction-Perlen, die sonst kaum eine Chance hätten. Sie passen entweder in keine Schublade oder fallen in die Kategorie vergessene Klassiker – so wie „Cutter und Bone“.

Das Buch ist im Original 1976 erschienen und wurde bereits einmal ins Deutsche übersetzt – allerdings in einer gekürzten Version. Erstmals können Leser nun also dieses einzigartige Werk in all seinen Facetten genießen. Das titelgebende Duo bleibt haften: Alex Cutter, der einäugige und einarmige Vietnam-Veteran, sowie Richard Bone, der Frauenheld und ausgestiegene Exmanager.

Die beiden Männer kommen mehr schlecht als recht durchs Leben. Als Bone Zeuge der Beseitigung einer Leiche wird, stehen die nahezu mittellosen Außenseiter vor der Wahl: zur Polizei gehen oder eine Erpressung wagen?

Was folgt, entspricht nicht den Genre-Gepflogenheiten. Es ist ein verstörender Trip, auf den uns der Autor schickt. Das zeitlose Buch ist kein Hohelied auf Verlierer. Es ist gespickt mit beißendem Humor, böser Gesellschaftskritik und unvorhersehbaren Wendungen, die auf keiner noch so guten Creative-Writing-Schule gelehrt werden. phu

 

Rezension von Peter Huber in "Die Presse" vom 9. August 2015 auf Seite 32

 

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