BÜCHER magazin – „Leben wie in der Spielhölle“

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Wie geht dieser alte Witz? "Ein Freund hilft dir beim Möbeltragen, ein guter Freund beim Leichentragen?" Bei Ray Banks wird aus dem Scherz tödlicher Ernst. Alan Slater ist Vertreter für Doppelglasfenster, und obwohl er immer öfter mit seinem alten Kollegen Les Beale durch die Spielsalons und Bars von Manchester zieht, glaubt er, alles im Griff zu haben. Seine Ehe mit Cath, seine Affäre mit der Studentin Lucy, seinen Job, seine Magenprobleme und vor allem auch seinen Freund Les. Aber der cholerische Beale hat Augen "wie zwei zugekniffene Hundearschlöcher" und ist eine menschliche Zeitbombe mit Verzögerungszünder. Wer ihn reizt, riskiert Prügel, und als eines Abends eine private Pokerrunde aus dem Ruder gelaufen ist, nötigt er Alan einen makabren Freundschaftsdienst ab. Und weil Beale nun nichts mehr zu verlieren hat, versucht er seinen Freund zu erpressen. Die Atmosphäre in diesem Manchester-Noir gleicht der abgestandenen Luft in einer jener miesen Spielhöllen, in der die beiden zu Beginn des Romans vorgestellt werden. Banks Helden umweht ein Todeshauch aus altem Rauch, schalem Bier, tiefer Verzweiflung und kalter Wut. Doch der Arzt, der Alan am Ende noch einmal ins Leben zurückgeholt hat, sagt zu ihm: "Sie sind ein Glückspilz, Mr. Slater." Er weiß zum Glück nicht, wie Recht er hat.

Leben wie in der Spielhölle – die Helden von Ray Banks eiskaltem noir riskieren viel und verlieren fast alles.


Rezension von Ulrich Baron

BÜCHER magazin Januar/Februar 2.2015, S. 54

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