CulturMag – Nicht was, sondern wie

 

Es gibt Autoren, deren Romane will man unbedingt gut finden. Weil sie wirklich etwas zu sagen haben, weil sie sympathisch sind und eigentlich genau die Sorte Bücher schreiben, die man mag. Geradezu exemplarisch für diese Sorte Schriftsteller ist Sam Hawken, ein Amerikaner, der Geschichten erzählt über La Frontera, das amerikanisch-mexikanische Grenzgebiet. Über die Menschen, die innere und äußere Grenzen überwinden müssen, um sich ihren Traum vom richtigen Leben zu erfüllen. Und über Menschen, deren Träume schon längst an den unerträglichen Realitäten zerschellt sind. Sein Personal sind Flüchtlinge, Texas Ranger, Boxer, Cops – und Kojoten. „Kojoten“ heißt auch sein jetzt im Polar Verlag erschienener Roman (390 S., 14,90 Euro, übersetzt von Karen Witthuhn, Vorwort von Tobias Gohlis), es ist nach „Die toten Frauen von Juarez“ der zweite, der auf Deutsch vorliegt. In drei Episoden, die sich erst ganz am Ende verbinden, erzählt Hawken davon, worüber er so viel zu sagen hat: das harte Leben an der Grenze. Was er erzählt, ist nicht das Problem, sondern wie er es erzählt. Die Episoden sind brav aufgereiht, jedem Protagonisten gehört genau ein Drittel des Romans: Ana, Texas Ranger, die in der Grenzstadt Presidio ihren Dienst tut und in der Wüste auf eine Leiche stößt; Luis, der ehemalige Kojote, der dabei ist, sich eine bürgerliche Existenz aufzubauen, aber eigentlich keine Chance hat; Marisol, die allein aus El Salvador aufbricht, um über Mexiko in die USA zu gelangen. Man mag diese Figuren, man mag auch diesen Roman, aber letztlich fehlt ihm die Radikalität, die Härte, die erzählerische Kraft, die zum Beispiel Antonio Ortuños „Die Verbrannten“ auszeichnet.

Rezension von Marcus Müntefering

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