BÜCHERmagazin – „punktgenaue Szenen mit ganz besonderem Sound“

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„Tut mir leid, dass ich nicht früher losgelegt hab“ – mit 44 beschließt Buchhalter Crew, unhöflichen Menschen Lektionen zu erteilen und bringt sie um. Reihenweise, denn es gibt viele von ihnen. Seine großen Vorbilder sind hardboiled Thriller, von Chandler bis Jim Thompson. Dumm nur, dass Dectective Sergeant Brant in die Quere kommt, dem härtesten Bullen der Südostlondoner Polizei, dessen Methoden amoralischer sind als alles, was Verbrechern und Krimiautoren so einfallen kann.  Manieren Kennt Brant nicht, sein Credo: „Ich halte mich nicht an Regeln.“ Deshalb hat er Erfolg, und er strebt nach Höherem: Bestseller schreiben wie von Ed McBain oder Joseph Wambaugh. Dass er nicht schreiben kann, hält ihn nicht auf. Während sich der Manieren-Killer und sein Jäger aufeinander zubewegen, verstricken sich Brants Kollegen auf ihrer Jagd nach dem Verbrechen in ihren eigenen Obsessionen, werden verprügelt, retten Geiseln oder vertuschen mit Erfolg ihre Unfähigkeit. „Kaliber bietet weder lupenreine Ermittlungsarbeit noch komplizierte Psychologie, wohl aber rabenschwarzen Humor, beinharte, punktgenaue Szenen mit ganz besonderem Sound, in denen jeder Satz zählt und stimmt.

Rezension von Lore Kleinert

BÜCHER magazin August/September 5.2015, S. 55

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