buchkritik.at – „Ein begabter Vermittler von Stimmungen“

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Der 1977 im schottischen Kirkcaldy geborene Ray Banks verfügt unter anderem über Erfahrungen als Croupier und so überrascht es nicht, dass er seinen Kriminalroman „Dead Money“ im Spielcasino beginnen lässt und die dortige Atmosphäre höchst realistisch schildert. Doch bevor die Geschichte ihren Anfang nimmt, schenkt der Verlag dem Leser ein Vorwort von Frank Göhre – und ich benutze „schenkt“ bewusst, denn diese Einführung ist ein Geschenk – , in dem er die Autoren, die den Autor Banks beeinflusst und geprägt haben, vorstellt. Dazu gehören unter anderen Hubert Selby, Charles Bukowski und Charles Willeford und da diese zu meinen Lieblingen zählen, weiss ich bereits nach den wenigen Seiten Vorwort, dass ich dieses Buch mögen werde – obwohl ich mit dem Spielen und mit Spielcasinos so ziemlich gar nichts anfangen kann.

Ray Banks ist ein begabter Vermittler von Stimmungen, von Atmosphäre, von dem, was in der Luft liegt und einen Ort, Leute und Umstände ausmacht. Wenn er etwa den Pub „The Press“ als Ort beschreibt beschreibt, wo es nicht einen gab, „vom Personal oder den Suffköppen, der sich nicht gerade irgendwas zurechtlog“, glaubt man geradezu vor Ort zu sein. Oder wenn er Manchester schildert. „Wie so manch andere Stadt schien Manchester keine besonders prägende Bevölkerungsgruppe zu haben. Es war eine Stadt der Proleten, der Neureichen, des Fussballs und der Rosaroten. Ein Mischmasch an Gaunern und Glaubensgemeinschaften, wovon die meisten unter sich blieben und stolz drauf waren, aus Manchester zu stammen.“ Und dann dieser ganz wunderbare clever-witzige Dialog:

  „Sie gähnte. 'Aber gut zu wissen, dass du eine Schwäche hast.'

  'Ich hab jede Menge Schwächen.'

  'Das sind Laster.'

  'Ist das Gleiche.'

  'Nein, ist es nicht.' Sie gähnte noch mal und rutschte zum Bettende.“

Alan Slater, verheiratet, Vertreter für Doppelglasfenster, glaubt sein Leben im Griff zu haben, überfährt angetrunken einen Hund, den er anschiessend an einem Kanal entsorgt. „Und ich hatte tatsächlich geglaubt, alles im Griff zu haben. Ich, der ich für heute Abend etwas geplant hatte. Tja, der Mensch denkt und Gott lenkt, der Mensch dachte und Gott lachte, nicht wahr?“

Es gehört zur Tragik des menschlichen Dasein, sich immer mal wieder nüchtern und realistisch einschätzen zu können und trotzdem der sich abzeichnenden Abwärtsspirale kaum Widerstand zu leisten.

Dann bringt Alans Freund und Arbeitskollege Les Beale beim Pokerspiel bei sich zuhause einen Mitspieler namens Stevie um, der nun entsorgt werden muss. Alan hilft Les dabei, sie bringen Stevie zum Kanal, wo bereits der totgefahrene Hund seinen letzten Ort gefunden hat, als Stevie wieder zum Leben erwacht …

Ray Banks ist ein „no-nonsense“-Autor mit viel trockenem Humor, einer direkten, klaren Sprache (die nur Leute haben können, die direkt und klar denken), der es nicht nur versteht, eine spannende Geschichte zu erzählen, sondern der auch weiss, wie man Dialoge schreibt, die einem noch lange nachhängen.

  „Weisst du wie das klingt?“ fragt Alans Geliebte Lucy, als er sie eines Abends versetzt, worauf Alan antwortet:

 „Wie die Wahrheit.“

  Weiss du was, das bezweifle ich nicht mal, Alan. Wirklich nicht. Aber das macht es echt nicht besser …“.

 

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Rezension von Hans Durrer

 

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