Berliner Zeitung – Kleine Gangster auf Hochtouren

Kleine Gangster auf Hochtouren

Diese Art Literatur, der der Erstling "Paris, die Nacht" des jungen FRanzosen Jérémie Guez angehört, vom Brennen der Kerze an beiden Enden und vom unausweichlichen Verlöschen, ist unausrottbar. In seiner lodernden Emphase für die kleinen Leben, bei denen ständig alles auf dem Spiel steht, Kompromisse undenkbar sind, Sex, Drogen und Adrenalin nur noch hochdosiert Wirkung zeigen und alles mit der allergrößten Intensität durchlebt wird, beharrt dieses Schreiben auf dem romantischen Vorrecht der Rebellion gegen die Zwänge einer statten Gesellschaft – muss allerdings am Ende immer konzedieren, dass die Karawane unbeeindruckt weiterzieht. Am Wgesrand bleiben diesmal Abraham und Goran zurück, zwei kleine Pariser Dealer, die eine Polerrunde überfallen und mit ein paar tausend Euro verschwinden; als sie verpfiffen werden, finden sie sich schnell auf der Fkucht und noch schneller am Abgrund wieder. Alles wird aus der Ich-Perspektive Abrahams erzählt, Sätze wie "Ich bin sicher, dieser Blick wir meine gesamte Existenz aus der Bahn werfen" und "Mein Gehirn läuft auf Hochtouren" zischen auf und verglühen im Rausch.

Berliner Zeitung – Nummer 123 – 30./31.Mai

Rezension von Günther Grosser

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