Am Erker – … aber, wie nicht selten, auch hier der Stoff großer Literatur.

Am Erker

Zeitschrift für Literatur

Diese Möglichkeit hat nicht jeder. Alan Slater bleibt zum Schluss nur eine zwei Tage alte Zeitungsausgabe. Seine Frau hat ihn gerade verlassen, das Eigenheim ist weg, der Job ebenfalls. Doch in der Zeitung stehen Anzeigen, die alles, was man braucht, anbieten. "Hoffnung währet ewiglich", denkt Slater und muss selbst darüber lachen. Als Vertreter für Doppelglasfenster war er nicht schlecht. Aber er ist auch ein Spieler. Und er hat einen gefährlichen Freund namens Beale, der ihn mit großer Überzeugungskraft in kriminelle Machenschaften zieht. Ray Banks tiefschwarzer Roman Dead Money ist eins dieser Bücher, an deren Anfang man schon das schlechte Ende kommen sieht. Die Urfassung gab es bereits 2004 unter anderem Titel, nun ist die deutsche Übersetzung einer bearbeiteten Variante im Polar-Verlag erschienen, dessen ambitioniertes Programm sich vor allem dem europäischen Noir widmet. Banks lässt Slater selbst erzählen, knapp und ohne große Faxen. Es ist keine schöne Geschichte. Bei Magendrücken helfen, zumindest zeitweise, Pillen und gegen misstrauische Ehefrauen improvisierte Lügen, doch gegen Leichtsinn und Dummheit scheint kein Kraut gewachsen. Also geht es unaufhaltsam bergab mit dem Mann. Ein elendes Schicksal, aber, wie nicht selten, auch hier der Stoff großer Literatur.

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